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Entgegen der Behauptung, Cannabis bewirke nur, dass man sich besser fühle und lindere keine Schmerzen, hat eine neue Studie des israelischen Ichilov-Krankenhauses herausgefunden, dass THC bei der Bekämpfung neuropathischer Schmerzen wirksam ist. Die Studie zeigt den Mechanismus im Gehirn, durch den Cannabis Schmerzen lindert.

Neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen) sind eine der häufigsten Indikationen für die Behandlung mit medizinischem Cannabis. In einer Umfrage des israelischen Cannabis Magazine gaben dieses Jahr zwei Drittel der israelischen Schmerzspezialisten an, dass sie ihren Patienten bei neuropathischen Schmerzen Cannabis verschreiben würden.

Allerdings behaupten einige Mediziner, Cannabis habe keinen Einfluss auf die Schmerzen, sondern beeinflusse nur die Befindlichkeit, indem es die Stimmung hebe. Nun zeigt eine neue Studie aus Israel, dass THC, die hauptsächliche psychoaktive Komponente von Cannabis, neuropathische Schmerzen signifikant reduzieren kann.

Die Studie wurde am Tel Aviver Ichilov-Krankenhaus an 15 Patienten mit chronischen Nervenschmerzen durchgeführt. Die Probanden mussten sich einer funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) unterziehen und bewerteten ihre Schmerzen auf einer Skala von 1 bis 100. Anschließend erhielt die Hälfte von ihnen THC in einer Dosierung von 0,2 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht unter die Zunge geträufelt, die andere Hälfte bekam ein Placebo-Öl. Zwei Stunden nach der THC- oder Placebo-Behandlung, wurden die Probanden erneut mit einer fMRT-Aufnahme untersucht und mussten wiederum ihre Schmerzen bewerten.

Bei den Probanden, die THC erhalten hatten, war – verglichen mit den Probanden, die das Placebo bekommen hatten – ein deutlicher Rückgang bei der Schmerzbewertung festzustellen. Die durchschnittliche Schmerzbewertung lag vor der Behandlung bei 53 und sank bei den THC-Empfängern auf 35. Auch die Patienten, die das Placebo erhalten hatten, erlebten (als Folge des Placebo-Effekts) eine Schmerzlinderung. Diese fiel mit einer durchschnittlichen Schmerzbewertung von 43 indessen geringer aus.

Auf den fMRT-Aufnahmen fanden die Studienautoren eine Korrelation zwischen der Schmerzverringerung und einer verminderten funktionellen Konnektivität zwischen dem anterioren cingulären Cortex, der die emotionale und kognitive Schmerzwahrnehmung steuert, und dem sensomotorischen Cortex, der für den Schmerz selbst verantwortlich ist.

In anderen Worten: THC unterbricht die Verbindung zwischen zwei Hirnregionen, die zwei unterschiedliche Komponenten dessen verarbeiten, was wir als Schmerz wahrnehmen: den Schmerz selbst (er wird im sensomotorischen Cortex verarbeitet) und das Leiden, das durch den Schmerz verursacht wird.

Laut Dr. Haggai Sharon deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Cannabis anders als herkömmliche Schmerzmittel seine Wirkung durch die Reduktion des Leidens erzielt, das durch Schmerzen verursacht wird – nicht bloß durch die Reduktion der Schmerzen selbst. Sharon erläutert, dass sich im anterioren cingulären Cortex, der für das Gefühl verantwortlich ist, am Schmerz zu leiden, viele Cannabinoid-Rezeptoren des Typs CB1 befinden, an die sich das THC bindet. Das erkläre, weshalb der Effekt auf diese Hirnregion so stark sei.

Der Schmerzspezialist hält zusätzliche Studien für notwendig. Unter anderem müsse untersucht werden, ob eine Kombination von THC und CBD einen stärkeren Effekt auf neuropathische Schmerzen habe als THC alleine, wie eine Studie zur Schmerzlinderung bei Krebspatienten nahelege. Zudem braucht es weitere Forschung im Bereich der chronischen Schmerzen, um zu zeigen, ob die Resultate der israelischen Studie ausschließlich für neuropathische Schmerzen gelten oder ob der in der Studie identifizierte Mechanismus auch bei anderen Schmerzen wirkt.

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